Ausmisten mit der Konmari-Methode: Erfahrungen & Tipps

Ausmisten mit der Konmari-Methode: Erfahrungen & Tipps

Minimalismus bedeutet nicht, nichts zu haben, sondern keinen Ballast zu haben.

Wie ihr bereits in dem Beitrag Minimalistisch Leben: Darum ist weniger mehr nachlesen könnt, habe ich mich dazu entschieden drastisch auszumisten und mich von zu viel Plunder zu befreien. Ich möchte damit nicht nur Ballast loswerden und mich in meiner eigenen Wohnung freier fühlen. Vielmehr möchte ich mehr Zeit und vor allem Geld für die Dinge haben, die mich wirklich glücklich machen. Und das sind viel mehr Erlebnisse als Kleidung, Deko und Elektronik.

Bei meinen Recherchen bin ich immer wieder auf die Konmari-Methode der Japanerin Marie Kondo gestoßen. Mein Interesse war geweckt. Also habe ich mir das Buch gebraucht bei Ebay ersteigert. Kaum angekommen habe ich es nicht geschafft das Buch zuende zu lesen. Noch bevor ich mit dem Buch durch war, hatte ich einen riesigen „Kann Weg“-Haufen.

Klischehaft habe ich pünktlich am 01.01.2018 habe ich mit dem Ausmisten begonnen.

Was ist die Konmari Methode?

Nur durch radikales Aufräumen in einem Rutsch, wird ein drastischer Bewusstseinswandel ausgelöst.“ (Marie Kondo)

Der Titel von Marie Kondos Buch – Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert– verspricht zunächst viel: Ein ordentliches Zuhause soll Basis für die innere Ordnung und den Weg in ein glücklicheres Leben sein. Dafür, dass an diesem Gedanken, was dran ist, sprechen über 7 Millionen verkaufte Bücher weltweit.

Die Grundprinzipien der Konmari-Methode sind:

  1. Alles wird auf einmal in kurzer Zeit ausgemistet: Bei mir waren es rund 6 Wochen. Im Buch ist die Rede von max. 6 Monaten.
  2. Ausmisten nach Kategorien: Beim Ausmisten mit Marie Kondo, soll man nicht nach Zimmern ausmisten, sondern nach einer vorgegebenen Reihenfolge von Kategorien. Hintergrund ist, dass man mit der leichtesten Kategorie (Kleidung) beginnt und wenn man bereits etwas geübt ist, sich an die schwerste Kategorie (Erinnerungen) heranwagen kann.
  3. Macht es mich glücklich, wenn ich diesen Gegenstand in die Hand nehme?: Kern von Marie Kondos Methode ist es, wirklich jedes Teil in die Hand zu nehmen und zu hinterfragen, ob es einen glücklich macht. Nicht, ob es noch funktionstüchtig ist, mal teuer war oder wir es nochmal gebrauchen könnten. Allein mit dieser Frage hebt sich Marie Kondos Konzept, von all den anderen Aufräum-Tipps ab, die ich bisher gelesen habe.
  4. Jeder Gegenstand bekommt einen festen Platz zugewiesen: Hat man alles aufgeräumt geht es in einem letzten Schritt daran für jeden Gegenstand einen Aufbewahrungsort festzulegen. Weiterhin rät Marie Kondo bspw. Kleidung nicht zu stapeln, da wir andernfalls eine Hierarchisierung im Kleiderschrank haben und  ein Gefühl für die Existenz der unteren Sachen verlieren,

Wer erfolgreich mit der Konmari-Methode ausmistet, soll nicht nur an unbequeme Wahrheiten herangeführt werden (warum habe ich das alles gekauft?!?), sondern auch Vertrauen ins das eigene Urteilsvermögen und sich selbst gewinnen.

 

Ausmisten nach Kategorien mit der Konmari-Methode

Konmari Methode

1) Kleidung

Gefühlt habe ich Kleidung eigentlich schon immer ausgemistet. Bestimmt 1-2 jährlich sowie vor Umzügen habe ich alles aus dem Schrank gepackt und ausgemistet. In meiner Erinnerung bin ich dann ziemlich oft mit mehreren Tüten bepackt zum Kleidercontainer gelaufen. Trotzdem war nie Platz im Kleiderschrank (und der zusätzlichen Kommode). Natürlich habe ich aber auch immer fleißig nachgekauft. Im Nachhinein habe ich aber immer nur Sachen ausgemistet, die kaputt, absolute Fehlkäufe oder schon uralt waren.

Was ich diesmal anders gemacht habe, ist dass ich mich – wie von Marie Kondo empfohlen – gefragt habe, ob mich das jeweilige Kleidungsstück glücklich macht. Klingt auf dem ersten Blick etwas merkwürdig, aber es hat tatsächlich geholfen, da ich jedes Mal ein intuitives Ja- oder Nein-Gefühl hatte. Da waren die Schuhe, die auch nach ewig langen Einlaufen immer nur gedrückt haben, der Rock der super aussieht, bei dem ich aber immer am rumzupfen war oder das Kleid, dass ich bei einem Ereignis getragen hatte, an das ich mich nicht gerne zurückerinnern will.

 Am Ende habe ich mich von ca. einem Drittel meiner Kleidung und rund zwei Drittel meiner Schuhe getrennt.

2) Bücher & DVD:

„Nennen Sie mir 10 Lieblingsbücher, die Sie mehrfach gelesen haben?“ (Marie Kondo)

Darf man Bücher wegwerfen? Irgendwie haben viele Menschen einen emotionalen Bezug zu Büchern. Die Art der Bücher, die in unseren Regalen stehen, sagt etwas darüber aus, was für ein Mensch wir sind. Bei vielen Menschen habe ich allerdings den Eindruck, dass ihr Bücherregal auch dazu dient Besucher zu beeindrucken und eine große Menge an Büchern den Eindruck vermitteln soll, dass der Gastgeber besonders belesen ist.

So habe ich lange Zeit alle meine Uni-Bücher und Bücher, die ich für ein paar Euro auf dem Bücher-Flohmarkt gekauft habe, behalten und mir gesagt, dass ich bestimmt nochmal reinschauen werde. Aber wenn ich ehrlich bin, war dies nie der Fall. Das Bücherregal ist nur Deko. Wenn ich bei meinen Thrillern einmal weiß wer der Mörder ist, lese ich das Buch einfach nicht nochmal. Wenn ich Wissen aus dem Studium nochmal benötige, google ich es oder kann mir das Buch ausleihen.

Marie Kondo sagt hierzu, dass der Zweck eines Bucher der ist uns Informationen zu vermitteln oder uns mit einer unterhaltsamen Geschichte zu unterhalten. Haben wir ein Buch gelesen, haben wir damit eine Prüfung bestanden,  hatten ein schönes Leseerlebnis oder haben wichtige Erkenntnisse gewonnen. Besonders geholfen hat mir auch der Gedanken, dass wir rund 15€ für einen Kinobesuch ausgeben und danach auch nichts Greifbares mehr in der Hand haben.

Vor diesem Hintergrund habe ich rund 50% meiner Bücher und fast alle DVD (gibt es eh alle bei Netflix) ausgemistet.

3) Schriftstücke

Zum Glück hatte ich bei meinen Unterlagen schon ein ganz gutes System. Alle wichtigen Dokumente und Unterlagen waren ordentlich beschriftet in mehreren Ordnern (insgesamt 8 Stück). Diese Ordner bin ich alle durchgegangen und habe alles was nicht aufgehoben werden muss weggeschmissen . Z.B. Erinnerungen diverser Stellen, dass ich meine Studienbescheinigung einreichen sollen, aber auch Gebrauchsanweisungen, Kontoauszüge (habe ich alle digital) und diverse Quittungen, die nicht mehr relevant sind.

Ich konnte meine Ordner von 8 auf 4 kleine Ordner reduzieren und habe ein großes Fach im Schreibtisch, indem die Kontoauszüge gelagert waren frei. Uni-Unterlagen usw. kamen komplett weg (nochmal ca. 10 Ordner).

4) Kleinkram

Der Kleinkram bildet mit Abstand die größte Kategorie. Hierunter fallen alle Küchenutensilien, Vorräte, Büromaterial, Medizin, Dekoartikel usw. Ich war so frei der Kategorie auch noch die Ordner auf meinem PC, Newsletter und alles nicht Greifbare zuzuordnen.

Meinen „Medizinschrank“ konnte ich quasi komplett entsorgen, da alles bereits deutlich abgelaufen war. Auch sonst konnte ich in dieser Kategorie einiges loswerden.

5) Erinnerungen

Der wohl schwierigste Part, weshalb Erinnerungen auch ganz am Schluss der Ausmiste-Aktion kommen. Grundhierfür ist, dass wir nach all den anderen Kategorien schon etwas geübt im ausmisten sein sollen. Trotzdem habe ich mich mit dieser Kategorie am Schwersten getan. Irgendwie ist es ein komisches Gefühl Postkarten zu entsorgen. Andererseits wusste ich gar nicht mehr, dass ich diese Karten mal bekommen zugeschickt bekommen hatte.  Marie Kondo sagt hierzu, dass der jeweilige Gegenstand bereits seinen Zweck erfüllt hat. Nämlich uns eine Freude zu bereiten. Wir sollten uns daher innerlich nochmal kurz beim Schenkenden bedanken und uns dann von dem Gegenstand trennen. Geholfen hat mir auch das Video einer YouTuberin, indem sie erzählt hat, dass sie hinterfragt hat, welche Gefühle das Ereignis oder die Person an die uns ein Erinnerungsstück erinnert auslöst oder aber, ob es nicht reicht davon ein Fotos zu machen.

In dieser Kategorie habe ich am wenigsten ausmisten können. Meine digitalen Fotos habe ich aber rund um die Hälfte reduziert und wirklich nur die Schönsten und Gelungensten aufgehoben. Darüber hinaus habe ich mir endlich mal eine externe Festplatte zugelegt und meine ganzen Daten gesichert, was bei einem 9 Jahre alten Laptop auch dringend mal notwendig war.

Wohin mit den ausgemisteten Sachen?

Was ich nicht einkalkuliert hatte war, dass das „Loswerden“ der ausgemisteten Sachen unglaublich viel Zeit und Nerven kostet. Laut Marie Kondo kommt alles in große blaue Säcke und wird entsorgt. Was ich zum einen sehr Schade und zum Anderen überhaupt nicht nachhaltig finde. Also habe ich entweder versucht die ausgemisteten Dinge zu Geld zu machen oder jemanden zu finden, dem ich damit noch eine Freude machen kann.

    • Momox & Rebuy: Hier kann man den Barcode scannen und bekommt direkt eine Summe genannt, zu der die Portale die Produkte ankaufen würden. Bei den meisten Büchern und DVD waren dies nur ein paar Cent. Aber ein paar aktuelle Bücher haben sich noch gelohnt. Letzendlich habe ich ca. 23€ damit „verdient“.
    • Ebay, Facebook, Kleiderkreisel und Co.: Der Standard. Leider waren meine Verkaufaktionen nicht so von Erfolg geprägt.
    • Verschenken: Leider durfte ich die Erfahrung machen, dass Manchen umsonst immer noch zu teuer ist. Einige Personen aus  „Zu Verschenken“- Gruppen wollte meine Sachen nur haben, wenn ich sie auch vorbeibringe oder sind  ohne Absage gar nicht erst erschienen. Irgendwann bin ich dann dazu übergegangen, wenn die Dinge im Freundeskreise keiner haben wollte, alles zur Tafel zu bringen.

 

Jedem Gegenstand einen festen Platz zuordnen

Nach dem Ausmisten ging es darum jeden Gegenstand einen festen Platz zuzuordnen. Hierzu habe ich mir ein Beschriftungsgerät geholt und so gut wie alles beschriftet, was mir auch nur im Entferntesten sinnvoll erschien. Die von Marie Kondo beschriebene Falttechnik, wollte ich zu Beginn meines Ausmiste-Prozesses überspringen, habe es dann aber doch probiert.

Konmari Checkliste zum Download

Meine Konmari-Checkliste könnte ihr euch gerne downloaden 🙂

Konmari Checkliste als PDF downloaden

 

Fazit: Meine Erfahrungen mit Marie Kondo

Sinn des Ausmisten ist es vielmehr Dinge auszuwählen, die uns erfüllen und glücklich machen“ (Marie Kondo)

Das Ausmisten mit Konmari hat sehr sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Dabei war es aber weniger das Ausmisten selber. Zeit gekostet haben mich vor allem das Entsorgen, Verschenken und Verkaufen der ausgemisteten Dinge. Jedesmal wenn etwas meine Wohnung verlassen hat, habe ich mich ein Stück freier gefühlt. Jetzt nach rund ein paar Tagen, kann ich noch kein wirkliches Fazit ziehen. Ich habe aber schon gemerkt, dass ich eine bessere Übersicht über das was ich besitze habe. Das Aufräumen und Putzen nimmt wesentlich weniger Zeit in Anspruch.

In den vergangenen 6 Wochen habe ich auch weder Kleidung noch Bücher neu gekauft. Bei Kleidung hatte ich bislang kein Bedürfnis was Neues zu kaufen. Durch meinen neuen übersichtlicheren Kleiderschrank trage ich nicht mehr nur die Dinge die oben liegen. Weiterhin habe ich gemerkt, wieviele vermeintlich Schnäppchen ich dann gar nicht angezogen habe. Das hat die Lust am Shoppen ziemlich gedämpft. Auch lese ich nicht etwa weniger. Im Gegenteil! Aber die Bücher leihe ich mir jetzt ausschließlich in der Bücherei aus, was auch wesentlich günstiger ist. Die Jahresgebühr ist so teuer wie ein einziges Buch. Ich habe auch alle Shopping-Apps wie Zalando, About you etc. deinstalliert, Newsletter abbestellt und einen „Bitte keine Werbung“- Aufkleber an meine Tür geklebt. Allein das gibt mir schon das Gefühl mehr Zeit zu haben, weil ich mich mit diesen Dingen nicht mehr beschäftigen muss.

Ein richtiges Fazit zur Komari Methode kann ich sicher erst nach einigen Monaten ziehen. Aber ich merke wie das Ausmisten mich nochmal darin bestärkt hat, dass Erlebnisse weitaus wichtiger sind als materieller Besitz. Viele der Dinge, die ich mal gekauft habe, waren in Vergessenheit geraten oder waren eher eine Belastung. Das Ausmisten sehe ich als Basis bzw. Startschuss mich fortan auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren. Meinen möchte ich nur noch Fokus darauf richten, was mir wirklich wichtig ist.

Literatur: Bücher von Marie Kondo

Ausführlichere Infos zu den Büchern findet ihr in meinen Literaturempfehlungen

Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert

Magic Cleaning 2: Wie Wohnung und Seele aufgeräumt bleiben

Nicht Marie Kondo, aber trotzdem interessant:

Dan-Sha-Ri: Das Leben entrümpeln, die Seele befreien: Mit der japanischen Erfolgsmethode Überflüssiges loswerden, Ordnung schaffen, frei sein

4 Gedanken zu „Ausmisten mit der Konmari-Methode: Erfahrungen & Tipps

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